Foto: Lena Mytchyk/Unsplash

Fehlbildung der Ohren

Viele Patienten leiden unter Fehlbildungen ihrer Ohren, die dazu führen, dass sie sich unwohl fühlen und oft auch psychischem Druck ausgesetzt sehen. Meist sind die Fehlbildungen durch einen Überschuss von Knorpelgewebe der Ohren bedingt.

Ohrenkorrektur – was für eine Otopexie spricht
Abstehende Ohren stellen auf den ersten Blick keine große Einschränkung dar. Ist man selbst mit der Form oder der Größe seiner Ohren allerdings nicht zufrieden, können sie die Eigenwahrnehmung und das Selbstbewusstsein deutlich beeinträchtigen. „Schuld“ an abstehenden Ohren ist üblicherweise die Ausbildung des Ohrknorpels – ist er zu groß oder die Anthelixfalte ungenügend ausgebildet, steht das Ohr weiter als gewünscht vom Kopf ab. Patienten ziehen dann oft eine Otopexie in Betracht. Was ist dafür zu beachten? Und wie läuft ein Eingriff üblicherweise ab?

Ohrenkorrektur – ein „Standardeingriff“
Es gibt heutzutage verschiedene Möglichkeiten, um Ohren und Ohrläppchen zu korrigieren. Bei einer Ohrenkorrektur handelt es sich jedoch immer um einen Routineeingriff in dem Sinne, dass es ein relativ kleinflächiger Eingriff mit geringen Risiken ist. Chirurgische Ohrenkorrekturen werden schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts vorgenommen. Grundlegend gibt es kombinierte Naht-Schnitt-Techniken (vor oder hinter dem Ohr wird die Haut geöffnet und der Knorpel durch Feilen, Schleifen oder Schneiden verändert) oder die Ritztechniken (der Knorpel wird von außen einseitig oberflächlich angeritzt).

Abstehende Ohren
Von abstehenden Ohren spricht man, wenn der Abstand zwischen Ohrmuschel und Kopf zwei Zentimeter und mehr beträgt bzw. ein Winkel von mehr als 30 Grad zwischen Ohrmuschel und Schädelknochen besteht. Üblicherweise sind ein Überschuss von Knorpelgewebe und eine daraus resultierende, zu stark ausgeprägte Ohrmuschel der Auslöser. Während Laien unter der Ohrmuschel den außen liegenden Teil des Ohres verstehen, ist damit aus medizinischer Sicht die Concha auricularis gemeint. Zusätzlich hat auch die Anthelixfalte des Ohrs einen großen Einfluss auf die wahrgenommene Größe: Diese fehlt bei Patienten mit abstehenden Ohren bzw. ist geringer ausgeprägt.

Ohrenkorrektur im Kindesalter?
Die Ohrenkorrektur ist einer von wenigen plastischen Eingriffen, die schon im Kindesalter vorgenommen werden können. Da Ohren mit vier bis fünf Jahren schon ausgewachsen sind, kann der Eingriff schon etwa ab fünf oder sechs Jahren erfolgen. Zielsetzung ist, psychische Beeinträchtigungen durch Hänseleien bzw. die Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen zu vermeiden oder zu lindern. Eine sorgfältige Abwägung von möglichen psychischen Folgen und den mit dem Eingriff verbundenen medizinischen Risiken ist unerlässlich. Eltern sollten sich in diesem Fall eingehend von einem Facharzt beraten lassen. Der Wunsch des Kindes selbst nach einer Korrektur ist für den Ablauf des Eingriffs üblicherweise ein großer Vorteil.

Der Ablauf einer Otopexie
In der Vorbereitung auf den Eingriff ist der Verzicht auf Nikotin sowie auf Schmerzmittel mit gerinnungshemmender Wirkung für rund zwei Wochen empfohlen. Haare müssen üblicherweise nicht gekürzt oder entfernt werden. Näheres ist mit dem behandelnden Arzt bei der Vorbesprechung abzuklären.

Der Eingriff wird unter Lokalanästhesie durchgeführt, lediglich bei Kindern bis zum achten Lebensjahr wählt man eine Vollnarkose. Bei Lokalanästhesie und Dämmerschlaf kann der Eingriff ambulant durchgeführt werden. Der Patient liegt in Rückenlage mit leicht erhöhtem Kopf. Die Gesamtdauer des Eingriffs beträgt in der Regel ein bis zwei Stunden.

Abb. 1: Hautschnitt zur Freilegung der Ohrmuschel. – Abb. 2: Ausdünnung und Modellierung des Knorpels. – Abb. 3: Rückverlagerung und Fixierung. – Abb. 4: Fixierung Ohrmuschel.

Üblicherweise wird ein dorsaler Zugriff gewählt, damit die Narben im Anschluss nicht zu sehen sind. Durch Fräsen oder Schleifen wird überschüssiges Knorpelmaterial entfernt, anschließend wird das Ohr neu positioniert und durch das Vernähen der Gewebeschichten fixiert. Durch die Verwendung von selbstauflösenden Fäden und eines Schutzverbands für die Nähte ist die Nachsorge für die Patienten unkompliziert (Abb. 1–4).

Nachsorge
Zur Nachsorge ist ca. zwei Wochen lang ein Schutzverband zu tragen. Ein Stirnband ist nachts für weitere sechs bis zwölf Wochen notwendig, um die Ohren vor Knicken oder Verdrücken zu schützen. Es kann zu Schwellungen, Rötungen und leichten Taubheitsgefühlen kommen, allerdings sind diese Nachwirkungen eher selten und meist nur temporär. Schmerzen verspüren die wenigsten Patienten, typisch ist eher ein leichtes Brennen. Die Narben sind aufgrund der Position hinter den Ohren sehr unauffällig.

Abb. 5: Ohrenkorrektur: Vorher (links) und nachher (rechts).

Das Schlafen und Liegen auf den Ohren ist mit dem Verband problemlos möglich. Körperliche Schonung ist für mehrere Wochen angesagt, allerdings sind nach wenigen Tagen schon wieder Arbeit und ein normales Gesellschaftsleben möglich. Druckausübung auf das Ohr durch Schmuck oder Brillen sollte für mehrere Wochen vermieden werden, um für eine optimale Wundheilung zu sorgen.

Die endgültige Ohrform lässt sich nach sechs Monaten beurteilen, wenn die Heilung abgeschlossen ist (Abb. 5).

Weitere Indikationen
Nicht nur abstehende Ohren, sondern auch andere als Makel wahrgenommene Ausprägungen der Ohrform können durch eine Otopexie behoben werden. Bei sehr großen Ohren ist für eine Verkleinerung die Entfernung von Knorpelgewebe in der Regel ebenso zielführend. Narben sind im Anschluss kaum zu sehen. Gerade im Erwachsenenalter können auch die Ohrläppchen dazu beitragen, dass Ohren besonders groß wirken, da sich diese im Laufe des Lebens in Form und Größe deutlich verändern können. Auch hier kann eine Gewebeentfernung sinnvoll sein, um die Größe zu verringern und Asymmetrien auszugleichen. Bei allen Korrekturen gilt es jedoch, Augenmaß zu wahren: Die gewünschte Ohrform muss mit dem Gesicht harmonieren. Bei Asymmetrien sollte nicht davon ausgegangen werden, dass eine absolute Angleichung möglich ist.

Minimalinvasive Alternativen
Seit einigen Jahren gibt es Angebote, Ohrenkorrekturen minimalinvasiv durchführen zu lassen. Mit Metallclips, die von vorne unter die Haut eingebracht werden und die Ohrfalte fixieren, sollen in wenigen Minuten Ergebnisse erzielbar sein, die mit einer klassischen Ohrenkorrektur vergleichbar sind. Ob die Metallimplantate, die z. B. „Earfolds“ genannt werden, eine ebenso nachhaltige Lösung darstellen, ist aktuell noch nicht zu sagen – Langzeiterfahrungen liegen noch nicht vor. Die Kosten für seriöse Angebote
der Korrektur mithilfe von Clips sind auf jeden Fall mit denen einer chirurgischen Ohrenkorrektur vergleichbar.

Hinweis: Die Kosten des Eingriffs müssen in der Regel selbst finanziert werden. Eine Übernahme oder Teilfinanzierung durch die Krankenkasse ist nur dann möglich, wenn eine gesundheitliche Indikation besteht.

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TEXT VON

Dr. med. univ. Alexander Siegl

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