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2021 – Boom der Schönheitschirurgie

Jüngere Patienten und gefährlicher Einfluss sozialer Medien: Dr. med. Joachim Graf von Finckenstein, plastischer und ästhetischer Chirurg und Past-Präsident der DGÄPC, fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

STARNBERG  – Die Corona-Pandemie hat zu einem Boom in der Schönheitschirurgie in Deutschland geführt. Doch wie haben sich Lockdown und Pandemie wirklich auf die Zahl der Eingriffe ausgewirkt? Und sorgen  soziale Medien dafür, dass sich mehr Menschen für eine ästhetische Behandlung entscheiden? Diese und weitere Fragen beantwortet die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) in ihrer neuen Statistik, die am 29. Oktober vorgestellt wurde. Dr. med. Joachim Graf von Finckenstein, plastischer und ästhetischer Chirurg und ehemaliger Präsident der DGÄPC, erläutert die wichtigsten Ergebnisse.

Social Media Gefährlicher Einflussfaktor

Wie Instagram, Facebook und Co. sich auf das Selbstbewusstsein junger Menschen auswirken und ob ihr Einfluss die Zahl der plastisch-chirurgischen Eingriffe steigert, wird immer wieder kontrovers diskutiert. Die Untersuchung der DGÄPC zeigt nun, dass insbesondere junge Frauen stark von Social Media beeinflusst werden: In der Altersgruppe der unter 20-Jährigen gaben 23,1 Prozent an, dass der Vergleich mit anderen im Internet in ihnen den Wunsch nach einem schönheitschirurgischen Eingriff hervorgerufen hat. „Diesen Trend beobachte ich mit großer Sorge. Plastische Chirurgie ist nicht dazu in der Lage, virtuelle Fotofilter zur analogen Wirklichkeit werden zu lassen. Viele Betroffene dieser durch Social Media hervorgerufenen sogenannten Body Dysmorphic Disorder bedürfen psychologischer Beratung und keines Chirurgen. Nur wenn Wünsche realisierbar sind und ein Eingriff im Verhältnis zum eigentlichen Leid steht, ziehe ich eine chirurgische Behandlung in Betracht“, erklärt Dr. von Finckenstein.

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Patienten werden immer jünger

Schon seit einigen Jahren lässt sich beobachten, dass die Patientinnen beim plastischen und ästhetischen Chirurgen zunehmend jünger werden. 2021 sind schon 21,5 Prozent aller behandelten Patienten unter 30 Jahren. Klassische Anti-Aging-Maßnahmen wie Botoxbehandlungen und Faltenunterspritzungen stehen bei den meisten jungen Patienten allerdings nicht im Fokus. Stattdessen gehören Brustvergrößerungen, Intimkorrekturen und Fettabsaugungen zu den am häufigsten durchgeführten Eingriffen. „Viele Patienten spüren seit ihrer Jugend einen starken Leidensdruck und lassen sich deshalb behandeln, sobald sie volljährig sind“, weiß Dr. von Finckenstein und warnt gleichzeitig: „Nicht alle Behandlungen sind bei jungen Patienten sinnvoll. Wer Botox injiziert bekommen möchte, obwohl er noch keine Faltenbildung aufweist, sollte meiner Meinung nach abgewiesen werden, da es sich um einen vollkommen unnötigen Eingriff handelt. Von präventiven Injektionen rate ich ebenfalls ab, da Ärzte gar nicht wissen können, wo sich später Falten bilden werden und an welchen Stellen dementsprechend Botox injiziert werden muss.“

Anti-Aging-Boom durch Corona

Minimalinvasive Eingriffe boomen nicht erst seit der Pandemie, haben aber 2021 trotzdem noch an Beliebtheit gewonnen. So machen Botox-Behandlungen 33,5 Prozent und Faltenunterspritzungen mit Fillern 32,1 Prozent aller durchgeführten Behandlungen aus – also insgesamt etwa zwei Drittel. „Durch den andauernden Blick auf das eigene Gesicht in Videokonferenzen neigen seit Beginn der Corona-Pandemie mehr Menschen dazu, kleinere Beauty-Eingriffe vornehmen zu lassen. Insbesondere ungünstige Kameraperspektiven und schlechte Belichtung sorgen dafür, dass das eigene Gesicht vielen Menschen auf dem Bildschirm oftmals nicht gefällt. Daneben sorgt aber auch das Maskentragen für mehr Eingriffe. Da der Fokus des Gegenübers durch die Maske vermehrt auf der Augenpartie liegt, wollen viele Menschen diese auffrischen und beispielsweise Lachfalten wie Krähenfüße vermindern lassen“, erklärt Dr. von Finckenstein.

Dr. Joachim Graf von Finckenstein / Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC)

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Dr. med. Joachim Graf von Finckenstein

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